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Inhalt

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Mallona: Der Untergang des Asteoriden-Planeten

Einleitung

Die merkwürdigen Entdeckungen der Psychometrie, jener Eigenschaft des inneren Gesichts, durch die längst Vergangenes für den Beschauer wieder in die Gegenwart zurückversetzt werden kann, hatten stets mein größtes Interesse erregt. In mir erwachte der lebhafte Wunsch, möglichst selbst psychometrische Bilder schauen zu können oder wenigstens ein geeignetes Medium zu entdecken, das in unzweifelhaft echter Art diese Fähigkeit besitzt. Alle Versuche, günstige Erfolge selbst zu erzielen, misslangen völlig. So blieb nur der zweite Weg gangbar. Die Suche nach einer geeigneten Persönlichkeit wurde mit Ausdauer von mir betrieben, ohne zu ahnen, wie nahe die Verwirklichung dieses Wunsches lag. Bevor ich jedoch die Entdeckung jenes Mediums schildere, durch das die Veröffentlichung der folgenden merkwürdigen Bilder erst möglich wurde, ist es notwendig, einen kurzen Blick auf das Wesen der Psychometrie selbst zu werfen.
Es ist eine bekannte Tatsache, dass alle Dinge, welche jemals geschehen sind, nichts weniger als spurlos aus der Gegenwart verschwinden, sondern im Gegenteil im Weltenraum gleichsam photographiert aufbewahrt bleiben. Von jedem Geschehnis gehen Lichtschwingungen aus, die in den Weltenraum entschwinden. Gelänge es, diese Schwingungen an einem anderen Orte aufzufangen und in einem geeigneten Apparate zu sammeln, resp. auf einen Empfänger zu übertragen, so würde sich dasselbe Bild, gleichgültig auf welche Entfernung, wiederum so darstellen lassen, wie es durch die von der Quelle ausgehenden Schwingungen ausgestrahlt wurde. Eine solche Erfindung würde den Anfang jener Kunst bedeuten, welche die Psychometrie in vollendeter Art auszuüben vermag. Denn diese will nicht nur Gegenwärtiges, sondern längst Vergangenes reproduzieren vermöge der Tatsache, dass die in den Raum entsandten Schwingungen, die von einem Geschehnis ausgingen, eingeholt, gesammelt und zu einem Bilde wieder zusammengestellt werden können. Der Apparat, der diese wunderbare Leistung vollbringt, ist das Gehirn.

Entzieht sich auch das Gesetz, wodurch diese Dinge möglich werden, heute noch unserer Kenntnis, so bestehen doch die Wirkungen dieses Gesetzes. Denn es gibt Personen, die, sobald sie irgend einen Gegenstand an die Stirn halten mit dem lebhaften Wunsche, über dessen Herkunft genaue Auskunft zu erhalten, in klaren, lebhaften Bildern die Geschichte des Gegenstandes an ihrem geistigen Auge vorüber ziehen sehen.

Diese Entdeckung, psychometrisches Schauen genannt, kam wie so manche auf dem Gebiete des Okkultismus aus Amerika. Sie wurde dort namentlich durch Dr. Buchanan zu einem System ausgearbeitet, mittels dessen die merkwürdigsten Experimente möglich wurden. Schilderungen des Unterganges von Pompeji, von vulkanischen Ausbrüchen aus der prähistorischen Zeit unseres Erdballes u. a. wurden von geeigneten, mit psychometrischer Begabung ausgestatteten Persönlichkeiten gegeben. Die Umstände bewiesen klar, dass hier mehr als nur erregte Einbildungskraft im Spiele sein müsse, weil die Kenntnisse der betreffenden Personen über die geschilderten Ereignisse nicht ausreichten, um diese Bilder lediglich als Spiel der Phantasie zu erklären.

Es ist leicht einzusehen, dass der Wunsch, solche Fähigkeiten auf ihre Wahrheit oder Unwahrheit hin zu prüfen, sich zu lebhaftem Verlangen eines Forschers gestalten muss, der die Probleme der menschlichen Seele auf dem Gebiete ihres magischen Könnens verfolgt und naturgesetzmäßig zu lösen bemüht ist. In diesem Bestreben hatte ich mich seit Jahren mit einem wissenschaftlich hochgebildeten Freund vereint, dessen ärztlicher Beruf ihn ganz besonders geeignet machte, den dunklen Schatten des Unbewussten im Menschen nachzuspüren und dessen Beobachtungen nicht leicht dem von Gegnern gern gemachten Vorwurf der Beobachtungsfehler unterlagen, noch weniger aber einem Selbstbetrug oder der Überschätzung der gewonnenen Resultate.

In seiner eigenen Familie machten wir Versuche mit Psychometrie, und zwar mit überraschendem Erfolg. Bald erwies sich seine Tochter als ein hervorragendes, schnell immer vollkommener werdendes Medium, die bei vollem Bewusstsein imstande war, mit überraschender Korrektheit die Herkunft eines jeden Gegenstandes und was sonst mit dessen Geschichte zusammenhing zu berichten. Die Mitteilungen durch die junge Dame beschränkten sich zuerst nur auf alltägliche Dinge, deren Richtigkeit kontrolliert werden konnte und uns Experimentierenden bekannt waren. Dann aber gingen wir zu Gegenständen über, deren Herkunft uns selbst unbekannt blieb, die wir jedoch nachträglich kontrollieren konnten; stets wurde mit größter Genauigkeit alles berichtet.

Eines der ersten Experimente ist mir besonders in Erinnerung geblieben, weil es charakteristisch ist für die Art dieses Schauens und gleichzeitig den Beweis lieferte, dass wir keiner Selbsttäuschung unterlagen. Wir hatten bei einem mit Gipsfiguren handelnden Bildhauer eine kleine Figur erstanden, die uns von der Verkäuferin ohne jede weitere Auskunft übergeben worden war. Zuhause ersuchten wir die junge Dame, uns über deren Herstellung eine kleine Schilderung zu geben. Der Bildhauer war uns bekannt, wir demnach in der Lage, die Angabe nachzuprüfen. Das junge Mädchen legte die Stirn an die Figur, schloss die Augen und erzählte uns sofort, sie sähe den Laden, in dem wir die Figur kauften. Wir wären beide zugegen - man gäbe uns die Figur, wir zahlten zwei Mark dafür. - jetzt verändert sich das Bild - ein Mann mit Bart im weißen Arbeitsanzug stehe allein im Laden (es war der uns bekannte Bildhauer); eine Frau, seine Frau, trete in den Laden durch eine hintere Tür ein, sie hat die von euch gekaufte Figur in der Hand; sie redet ihren Mann an, sie habe auf einer Wohltätigkeitslotterie diese Figur gewonnen - sie weiß nichts damit anzufangen, - sie sagt, vielleicht kauft sie jemand. Ihr Mann lacht, er nennt sie seine kleine praktische Frau, - er stellt die Figur auf den Tisch und schreibt 2 Mark als Preis auf den Sockel. Ich sehe jetzt einen großen Saal, - lange Tische, mit Geschenken bedeckt, - an einem Tisch werden Lose verkauft, - die Dame aus dem Laden kommt, - sie kauft fünf Lose, - sie öffnet sie, - sie hat zwei Gewinne, - sie geht zur Gewinnausgabe, -ach, da steht die Figur, man gibt ihr diese und noch eine kleine Ledertasche. - In dieser Weise wurde noch ausführlicher die Herkunft der Figur, immer weiter rückwärts in die Vergangenheit gehend, geschildert. Diese Dinge zu erzählen ist zwecklos, weil wir nicht in der Lage waren, die Wahrheit der Angaben festzustellen, wohl aber vermochten wir es über das bis dahin Geschilderte. Es stimmte alles auf ein Haar!

Längst schon hatten wir die Überzeugung gewonnen, daß unser Medium ein absolut sicheres Ferngesicht besaß, die vielfachen Beweise hiefür waren schlagend. Eines Tages fiel mir ein, demselben einen Ring zur Prüfung zu übergeben, dessen merkwürdiger Stein schon manchem Archäologen ein Kopfschütteln abgenötigt hatte. Der Ring enthielt eine antike Gemme: auf weißem Grund zeigt sich ein erhaben brauner Kopf von eigentümlichem Gesichtsschnitt und merkwürdigem Helmaufsatz. Der Stein ist kein Achat, dessen verschieden gefärbte Adern besonders gerne zu derartigen Darstellungen benutzt werden, sondern ein Stein, dessen Herkunft nicht festzustellen ist. Am ähnlichsten erscheint er noch unserem Quarz, reagiert jedoch nicht auf Proben mit Salzsäure, denn letztere griff ihn nicht an. Gesicht und Helmschmuck des Kopfes hatten nichts ähnliches mit anderen Gemmen bekannter Museen aufzuweisen, so dass jeder Archäologe über die Herkunft dieses alten, aus unbekannter Zeit stammenden Ringes im unklaren blieb.

Die junge Dame prüfte den Ring, resp. die denselben enthaltende Gemme, und es entwickelten sich die frappierendsten Bilder, die in den nachfolgenden Blättern zu einem übersichtlichen Ganzen zusammengestellt worden sind. Es wurde uns damit durch Psychometrie ein Einblick in eine uns gänzlich fremde und dennoch wiederum bekannte Welt gegeben. Jene Bilder führen uns auf einen unserem Sonnensystem einst angehörigen Planeten, der vor langen Zeiten zerstört wurde durch die Schuld des ihn bewohnenden Menschengeschlechtes. Ein furchtbares Zeugnis, wohin der Wahn und die Verworfenheit des Menschen führen kann, der sich selbst höher dünkt als die das All regierende göttliche Kraft.

Die Gesetze der Psychometrie ergeben (man vergleiche das geschilderte Beispiel), dass sich die Ereignisse, immer mehr die Vergangenheit erschließend, rückläufig darstellen. Da jedoch eine Erzählung gerade den umgekehrten Weg geht, so sind in dem folgenden Gang der Handlung zwar alle Schilderungen genau wiedergegeben, jedoch der Art entsprechend, wie es der Leser gewöhnt ist, d. h. fortschreitend und nicht rückläufig. Es war eine Bearbeitung der nur in abgerissenen Sätzen dargestellten Bilder notwendig, die zwar sehr oft lange Dialoge der auftretenden Personen enthielten, deren stenographisch mitgeschriebener Wortlaut jedoch in seinem ursprünglichen Text ermüden würde.

Die Aufgabe des Schriftstellers war es, ein geschlossenes Ganzes zu bieten. Diese Arbeit hoffe ich geleistet zu haben, ohne dabei dem psychometrisch Geschauten etwas hinzuzusetzen oder abzunehmen. Möge der Leser Gefallen an der Arbeit finden, mehr aber noch Nutzen ziehen aus den Lehren und den Darstellungen, die sich ihm nun erschließen werden.

Der Verfasser


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